Allegra! Willkommen zum Tourbericht vom Engadiner Nationalpark Marathon:

„…und pack den warmen Daunenschlafsack ein“… und zieht Eure Thermounterhosen an…“

Mit diesen Drohungen ging es also am Freitagabend in Richtung Unterengadin, ins schöne Graubünden mit den herrlichen Bergen, die ich noch vom letzten Winter in meinem Skikopf gespeichert hatte. Gegen halb zehn abends erreichten wir endlich Scuol und belagerten sogleich die Spaghetti Theke, nachdem ich in eine große Leere glotzen durfte in meine obligatorischen Starter Plastik Tüte: 1 Päckchen Schoko – Magnesium Flocken (sieht aus wie Hundefutter), eine Trinkflasche (oho!) und ein Zettel mit dem Hinweis auf kostenpflichtige Foto Entwicklung spektakulärerer Race Pics… na super!? Da sind die 60 Euro Startgeld hoffentlich morgen besser angelegt..

Start :
Wecker dann 5.30 Uhr, nachdem etliche Radsportfantasten bereits Ihre Karren alle neben uns abstellten – so ab 4.30 Uhr. Kurzer Temperaturcheck mit dem Zeigefinger aus dem Daunenschlafsack raus: ui, das sind nicht viele grad über Null! Naja, da der Geräuschpegel auf dem Parkplatz mittlerweile den Pegel nicht mehr verlässt, trabe ich also los in Richtung Frühstückstheke mit allerlei Leckerlies (ah, also hierhin geht der Startrubel!). Danach wird's hektisch: Socken finden, Hose aus – an, Schuh ratschen, Essen packen, Zähne putzen und rauf aufs Rad um mal anzutesten, wie es sich anfühlt bei 6 Grad die Kurbel zu drehen..

Dann auf zum Start gegen 7.05 Uhr in Richtung Hauptstrasse in Scuol. Natürlich zu spät und ich stell mich hinten an. Dann neutraler Start durch das Dorf mit erster Zeitnahme unten am Anfang der ersten Steigung in Richtung Paso Costainas: fühlt sich an, als wenn jemand die Kassette gewechselt hat – Schnaufen überall zu hören, Rhythmus finden, Leute wegschieben, selber weg geschoben werden – eben die routinemäßige Anfangshektik bei solch einer Veranstaltung.

Pass Costainas (8.50 Uhr):
Nach 1h 40min erreichen mich dann oben in Pass Nähe die ersten Sonnenstrahlen: ist doch alles ziemlich in Ordnung! Dank meiner Fleece Mütze unter dem Helm und den Stofffetzen über den Knien fühl ich mich sehr wohl und freue mich auf die erste Abfahrt in Richtung Fuldera. Nach rasanter Abfahrt mit ein paar wenigen Kilometern im Tal geht's dann in den zweiten Berg. Mütze runter! Mir ist zu warm geworden.. nach ein paar ordentlichen Schlücken aus meiner neuen Trinkflasche an der ersten Verpflegungsstelle kurbel ich dann Serpentine für Serpentine gen nächstes Joch entgegen.. (pfui – die haben ne ziemlich strenge Iso Mischung in der Flasche..)

Zweites Joch (9.30 Uhr):
Vorbei an herrlichen Wäldern und tollen Ausblicken zu einem entfernt gelegenen Wasserfall erreichen wir nun (ich bin in einer Gruppe gelandet) das Joch und brausen beflügelt in die zweite Abfahrt runter. Dann anhalten – der Weg ist unfahrbar für kurze Zeit (mittlerweile handtuchbreiter Pfad) und schlengelt sich so eine ganze Zeit in Richtung Alpisella.

„Bon jour miseur!“ So sieht man sich wieder – mit einem Franzosen halte ich die ganze Zeit Kontakt und wir begrüßen uns immer aufs neue, wenn sich die Wege kreuzen.. netter Typ!

Drittes Joch (10.30 Uhr):
Der dritte Anstieg ist anständig steil – mit 8-9 km/h geht's erneut nach oben und ich ertappe mich, dass ich zu wenig gegessen hatte – schnell mal ein Riegel einschieben.. bergauf ist kauen allerdings so ne Kunst! Danach geht's mir viel besser und ich rausche die dritte Abfahrt ins Tal nach Livigno – wieder mal mit dem Gedanken, dass jetzt ein Fully schon angenehmer wäre, da die Pfade doch viele Steine und Wurzeln zeigen. Der Puls geht also auch abwärts nie unter 145 Schläge/min.

Livigno (11.30 Uhr):
In Livigno kreisen wir kurz um den Stausee rum (einge Touris machen ihr Samstag Spaziergang und werden quasi mit Tempo 30km/h fast pulverisiert). Kurz bevor es dann anscheinend bergauf geht zum höchsten Punkt der Runde mache ich ausreichen Rast an der Verpflegungsstelle: mit schweizer Küchli, einem Power Gel und 1 Liter Wasser im Bauch geht's dann in Richtung Einstieg: aber was ist das? Da schlängelt sich auf 700 hm eine Ameisen Kolonne in Richtung Gipfel Pass Caschauna (2700 hm). Geht's eigentlich noch: das ist quasi unfahrbar! Über 20% ist der Pfad steil und nur manche Abschnitte lassen sich mit 5 km/h grade so treten – was für ein Horror Anstieg!! Mir springt mein Herz quasi aus der Brust, wenn ich mein Gefährt den Berg hochschiebe..

Gipfel Pass Chaschauna(13.00 Uhr):
Ja grüzi – geschafft! Tolle Blick in Richtung Ortler mit den schon schneeweißen Gipfeln und zahlreiche andere Berge blitzen in meinen Augen, aus deren Winkeln ich schon die Abfahrt anvisiere.. aber Moment: da steigen ja schon wieder welche vom Rad.. ein delikat steiler Pfad schwingt sich abwärts durch fast unfahrbare Serpentinen in ausgewaschenen Grasnarben, nicht viel breiter als ein Regal. Super! Schon wieder stolpern und poltern, bis es dann über einen breiteren Pfad in Richtung Zernez geht..

Zernez (14.00 Uhr):
Manoman, wie lange hat das denn jetzt gedauert? Und wie weit ist es denn noch? Und eine kleine Steigung kommt ja noch.. ojee, so langsam fühlen sich die Beine an wie Holz! Mit einigen Schlücken Cola im Bauch trete ich so die letzten Kilometer über Lavin, Guarda, Ftan ins Ziel nach Scuol zurück..

Ziel Scuol (15.45 Uhr):

Da ist er wieder – der Smiler, der mich die letzten 2,5 Stunden verlassen hatte. Nur noch 50 Meter sagt das Schild und schon überfahre ich die Zielbrücke und denk mir gleich: leg dich einfach hin und trinke ca. 16 Liter Apfelschorle.. dann wird's schon wieder gehen! So gedacht, hält mich doch glatt der Rennmodertor auf und will, dass ich ihm die Charity Idee ins Micro plappern soll.. also gut, Apfelschorle muss eben noch warten..

Insgesamt:

  • tolle super schöne Runde rund um den Nationalpark
  • astreine Organisation
  • bomben Wetter
  • Nette Menschen
  • Natur pur, Natur pur
  • Und hinten raus vielleicht ein bisschen zu lang!

…vielen lieben Dank an alle, die das Projekt "Ride for Whales" unterstützt haben!!


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